Deisenhausen

Willkommen in der Pfarrkirche Sankt Stephan, Deisenhausen!

Die Deisenhauser Dorfkirche ist ein echtes Kleinod des mittelschwäbischen Rokoko und gerade seit ihrer aufwändigen Renovierung in den 1990er Jahren zeigt sie sich den Kunstinteressierten wieder in ihrer ganzen Pracht und Heiterkeit. Erbaut wurde das Gotteshaus von 1765 bis 1767 unter der Mitwirkung von solch bedeutenden Künstlern wie Joseph Dossenberger (der Baumeister zeichnete u.a. auch verantwortlich für die Kirchen von Hammerstetten, Hochwang und Elchingen) und Johann Baptist Enderle, der hierzulande zu den gefragtesten Freskenmalern zählte. Dass sich das kleine Deisenhausen derlei große Talente leistete, hatte seinen Preis: Von 1774 bis 1786 konnte die Kirchengemeinde den eigenen Pfarrer nicht mehr bezahlen und wurde von Nattenhausen aus vikariert. Für diese Entbehrungen wurden die Deisenhauser mit einer Kirche von beschwingter Schönheit entschädigt: Die zwei Hauptfresken Enderles und die Zwickelbilder in Schiff und Chor haben das Leben des Kirchenpatrons Stephanus zum Thema. Das Besondere an Enderles Bildern ist die reiche Verwendung von Türkis-Tönen, die einen ganz eigenen Eindruck von Leichtigkeit erzeugen, selbst dort, wo Dramatisches zu sehen ist: im Hauptschifffresko die sog. Verteidigungsrede des Stephanus vor dem Hohenrat (Apg 7,1-53), im Chorfresko die Steinigung des Heiligen (Apg 7,54-57). Die beiden Seitenalteräre wurden der heiligen Anna (links, die sog. »Evangelienseite« der Kirche) und dem heiligen Wendelin (rechts, auf der sog. »Epistelseite«) geweiht. Die Altaraufbauten (»Retabeln«) sind hier bemerkenswerterweise nicht aus Stuck gefertigt, wie sonst üblich im Rokoko, sondern aus Geldmangel nur freskiert und bieten ein schönes Beispiel der Illusionsmalerei im Rokoko.

Der Hochaltar im Chorraum stammt eigentlich aus Maria Baumgärtle, dem Marienwallfahrtsort unweit von Erkheim. Er kam erst 1823 in unsere Kirche, nachdem man den ursprünglichen Stuckaltar (man wird ihn sich ähnlich wie die Kanzel vorstellen müssen) abgebrochen hatte. Das Hochaltarblatt zeigte den »Tod Mariens«, wurde aber Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Darstellung ersetzt, die wir noch heute sehen können: eine Kreuzigungsgruppe, gemalt vom Nazarener-Künstler Johann Baptist Dollenbacher aus Unterbleichen. Dieses Nazarenerbild steht in einer reizvollen Spannung zum prallen Rokoko-Ambiente rungsum (zugegeben: manche sprechen hier auch von einem handfesten Stilbruch).

Unsere Kirche ist täglich vom frühen Vormittag bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Und sie ist nicht nur für Kunstliebhaber da. Ihrer Bestimmung nach ist sie ein Raum des Gebets und des gemeinschaftlichen Gottesdienstes, der bei uns dienstags um 19.00, sonntags rotierend um 19.00 (Vorabend), 8.30 Uhr, 9.30 Uhr und 10.30 Uhr stattfindet.

Ein kunsthistorischer Führer über Sankt Stephan liegt am Schriftenstand der Kirche auf. Falls Sie darüber hinaus Interesse an einer sachkundigen Führung haben, wenden Sie sich bitte an Herrn Kirchenpfleger Franz Hopfenzitz.